Unsere Gesundheit hängt von der Umwelt ab, in der wir leben – und davon, wie unsere Lebensmittel produziert, verteilt und konsumiert werden. Saubere Luft, sicheres Wasser, fruchtbare Böden, biologische Vielfalt und ein stabiles Klima sind ebenso Grundlagen für Gesundheit wie eine sichere und ausgewogene Ernährung.

Doch diese Grundlagen geraten zunehmend unter Druck. Klimawandel, Umweltzerstörung und der Verlust biologischer Vielfalt verändern Lebens- und Ernährungsbedingungen weltweit. Gleichzeitig wirken Landwirtschaft und Ernährungssysteme selbst auf Klima, Ressourcen und Ökosysteme zurück. Umwelt, Ernährung und Gesundheit lassen sich deshalb nicht getrennt voneinander betrachten.

Unsere Arbeit im Themenfeld Umwelt & Ernährung orientiert sich an sechs Leitfragen.

Wie beeinflusst unsere Umwelt unsere Gesundheit?

Luftqualität, Trinkwasser, Wohnumgebung, Temperaturen, Schadstoffe und natürliche Ökosysteme bestimmen wesentlich mit, wie gesund Menschen leben können.Luftverschmutzung erhöht beispielsweise das Risiko für Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Belastetes Wasser, Böden und Lebensmittel können weitere gesundheitliche Folgen haben. Intakte Ökosysteme dagegen stellen sauberes Wasser bereit, regulieren das Klima und sichern fruchtbare Böden und Nahrungsmittelproduktion.

Umweltschutz ist deshalb immer auch Gesundheitsschutz. Doch mit dem Klimawandel verändern sich diese Lebensgrundlagen in wachsendem Tempo.

Wie verändert der Klimawandel unsere Gesundheit und Ernährung?

Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen, Waldbrände und Stürme können unmittelbar Erkrankungen, Verletzungen und Todesfälle verursachen. Gleichzeitig verändern steigende Temperaturen die Verbreitung krankheitsübertragender Vektoren wie Mücken und Zecken. Auch unsere Ernährung ist betroffen. Hitze, Wassermangel und Extremwetter können Ernten beeinträchtigen, Lebensmittel verteuern und Ernährungsunsicherheit verschärfen.

Die Folgen treffen jedoch nicht alle Menschen gleichermaßen. Wer über geringe finanzielle oder gesellschaftliche Ressourcen verfügt, kann sich häufig schlechter schützen und anpassen. Damit wird die Klimakrise zugleich zu einer Gesundheits- und Gerechtigkeitsfrage.

Wie können wir eine gesunde Ernährung für alle ermöglichen?

Genügend Lebensmittel zu haben bedeutet noch nicht, sich gesund ernähren zu können. Weltweit bestehen Unterernährung und Mikronährstoffmangel neben Übergewicht und ernährungsbedingten Erkrankungen. Was Menschen essen, hängt nicht nur von persönlichen Entscheidungen ab. Einkommen, Preise, Verfügbarkeit, Bildung, kulturelle Gewohnheiten und politische Rahmenbedingungen prägen den Alltag. Globale Gesundheit fragt deshalb nicht nur: Was ist gesund? Ebenso wichtig ist: Wer kann sich eine gesunde Ernährung überhaupt leisten und sie im Alltag umsetzen?

Eine gesunde Ernährung für alle erfordert deshalb Ernährungssysteme, die Gesundheit, Bezahlbarkeit und Verfügbarkeit gemeinsam berücksichtigen.

Wie hängen die Gesundheit von Menschen, Tieren und Ökosystemen zusammen?

Unsere Ernährung macht besonders deutlich, wie eng Menschen, Tiere und Umwelt miteinander verbunden sind. Landwirtschaft, Tierhaltung, Landnutzung und Veränderungen der biologischen Vielfalt können direkte Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben. Der One-Health-Ansatz betrachtet deshalb die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt gemeinsam – etwa bei Infektionskrankheiten, antimikrobiellen Resistenzen und Lebensmittelsicherheit. Planetary Health erweitert diesen Blick auf die natürlichen Systeme, von denen Gesundheit langfristig abhängt: Klima, Ökosysteme, biologische Vielfalt, Wasser und Böden.

Beide Perspektiven führen zu derselben Erkenntnis: Menschliche Gesundheit lässt sich langfristig nicht auf Kosten der natürlichen Lebensgrundlagen sichern.

Wie können Ernährungssysteme Gesundheit und Umwelt gleichzeitig fördern?

Von Landwirtschaft und Verarbeitung über Handel und Transport bis zu Konsum und Entsorgung beeinflusst unser Ernährungssystem sowohl Gesundheit als auch Umwelt. Darin liegen Zielkonflikte – aber auch große Chancen. Ein höherer Anteil pflanzlicher Lebensmittel kann beispielsweise, abhängig vom regionalen Kontext, gesundheitliche Vorteile mit geringeren Umweltbelastungen verbinden. Nachhaltigere Produktionsweisen können Ressourcen und biologische Vielfalt schützen und zugleich Ernährungssicherheit stärken.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie wir Lebensmittel produzieren, sondern welches Ernährungssystem Gesundheit, Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und soziale Gerechtigkeit miteinander verbinden kann.

Wie können wir gesunde Lebensbedingungen für zukünftige Generationen sichern?

Die Entscheidungen von heute bestimmen die Gesundheitschancen von morgen. Klimawandel, Ressourcenverbrauch, Urbanisierung und Ernährungssysteme werden langfristig prägen, unter welchen Bedingungen Menschen leben. Dafür brauchen wir klimaresiliente Gesundheitssysteme und Städte, sichere Wasser- und Lebensmittelversorgung, nachhaltige Landwirtschaft und den Schutz natürlicher Ökosysteme.

Viele Lösungen schaffen dabei einen doppelten Nutzen: Aktive Mobilität fördert Bewegung und verbessert die Luftqualität. Nachhaltige Ernährung kann Erkrankungen vorbeugen und Umweltbelastungen reduzieren. Klimaangepasste Städte schützen vor Hitze und verbessern Lebensqualität.

Das IGGB möchte die Zusammenhänge zwischen Umwelt, Ernährung und Gesundheit sichtbar machen, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich vermitteln und Lösungsansätze miteinander verbinden. Denn die Frage, wie gesund wir morgen leben können, entscheidet sich auch daran, wie wir heute mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen umgehen.

Das IGGB empfiehlt

Umwelt- und Gesundheitsschutz gemeinsam denken.

Gesunde Ernährung für alle ermöglichen.

Klimaresiliente Lebensräume schaffen.

Nachhaltige Ernährungssysteme fördern.

Ökosysteme und biologische Vielfalt schützen.

Umwelt und Ernährung