Globale Gesundheit ist für die deutsche Bundesregierung an Werte gebunden. Was bedeutet diese Bindung, angesichts der Vielfalt und häufigen Widersprüchlichkeit von „Werten“, für Deutschlands Selbstverständnis als globaler staatlicher Akteur, für gesundheitspolitische Maßnahmen? Wie wirkt sich der logische (Ethik) und rechtliche (Grundgesetz) Rahmen Deutschlands dabei aus – orientierend oder hemmend?

Unter Federführung des IGGB arbeitet im Global Health Hub Germany seit Anfang 2020 eine Arbeitsgruppe zu den Werte-Dimensionen der Globalen Gesundheit. Dabei werden internationale Themen der Ethik, Menschenrechte und Governance als Kultur-Fragen für die Globale Gesundheit angesprochen. Die Werte-Basis der Global Health-Agenda der Bundesregierung und der WHO, die SDG’s der Vereinten Nationen, die nie abreißende Kette von Nachrichten über Ungerechtigkeiten, Tabubrüchen und moralische Verunsicherungen in der Organisation und Forschung zu Gesundheitsfragen machen deutlich, daß eine Klärung der realen Bedeutung von Werten in der globalisierten Welt überfällig ist. Die AG Werte & Ethik versteht sich als inter- und trans-disziplinär offen, einem integrierenden salutogenen Ansatz verpflichtet und hermeneutisch interessiert: wir fragen, wie der Wert des Gesundheitswissen in den Gesellschaften und Kulturen gehoben und mit einander ins Gespräch gebracht werden kann, um einen Mehrwert für die Menschheit zu erreichen. Dabei bieten wir Räume der Begegnung im Gespräch über die Grenzen der fachlichen und sprachlichen Silos hinweg an. Zu den öffentlich behandelten Themen gehören:

  • „Was bringt Ethik der Globalen Gesundheit?“
  • „Was von der Maske bleibt – nichtmedizinische Fragen zu Gesundheit und Ethik“,
  • „What remains of the mask. The unmasked society“,
  • „Igniting Humanities in Health: Meeting of Minds for Global Health“,
  • „Welche Rolle spielen nationale Denk- und Organisations-Strukturen bei der gerechten Verteilung von Impfstoffen für die internationale Solidarität?“.

Im Zusammenleben zwischen unterschiedlichen Kulturen, bei einer sich gleichzeitig rasant verändernden Weltlage, ist es dringend, sich der Grundlagen und Grundverständnisse zu vergewissern, die unser Handeln leiten sollen. Das IGGB und die AG Werte & Ethik werben weiter für die Anerkennung und Diskussion der Bedeutung unserer Selbstverpflichtungen für Begriff und Praxis der globalen Gesundheit. Dazu gehören inhaltliche Fragen wie gesundheitspolitische Priorisierungen (Kindergesundheit, gesitige Gesundheit, Arbeitsgesundheit, Gesundheits-Metrik und Finanzierung), Ethik der Gesundheitswissenschaften, kulturelle Gesundheits-Anthropologie der Digitalisierung, oder Modellentwicklung für Best-Practice Ansätze sowie methodische Fragen wie die Stärkung des medizinethischen Grundsatzes, „Do No Harm“, in der Globalen Gesundheit.

Publikationen:

  • 2021 (Mathias Bonk und Ole Döring): „A New Approach to Global Health“. Internationale Politik Special 2/2021 Covid-19: Global Impacts: 57-63.
  • 2021 (Ole Döring): “Menschen und Cyborgs. Versuch einer deutsch-chinesischen Verständigung über das Menschsein 人性„. In Armin Grunwald (Hrsg.), Wer bist Du, Mensch? Transformationen menschlichen Selbstverständnisses im technischen Fortschritt, Verlag Herder: 83-109
  • 2020 (Barbara Buchberger und Ole Döring): „Ethics and morality“. In Lauffer S. and Walter J., In Control. A Practical Handbook for Professionals Working in Health Emergencies Internationally. Robert Koch Institute. Berlin,2020: 110-112
  • 2020: „Ethik“. In: Lehrbuch Global Health – Eine Einführung in die Globale Gesundheit. Hrsg.: Mathias Bonk und Timo Ulrichs. Berlin: De Gruyter. ISBN 978-3-11-044553-4.

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