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Prof. Dr. Ole Döring

ole.doering@igg.berlin 

CHINA UND GLOBALE GESUNDHEIT

Mit beinahe 1,4 Mrd. Menschen umfasst China eine in der Binnendifferenzierung und Kohäsion einzigartige Vielfalt und Ordnung salutogener Faktoren für Globale Gesundheit. Seit drei Jahrzehnten unternimmt China auf allen Ebenen Modellversuche zum Aufbau eines Gesundheits-, Sozial- und Krankenversicherungssystems, für Arznei- und Nahrungsmittelsicherheit, Krankenhausverwaltung, Arbeitsgesundheit, für ökologische Nachhaltigkeit der Produktions- und Lebensverhältnisse, sowie ein modernes Abrechnungs- und Finanzierungswesen. Außerdem hat das Land Rahmenbedingungen für eine weltweit mittlerweile führende Industrie in den Bereichen Genomik, Bio-IT und digitale Gesundheitssysteme geschaffen. 
Auch die Akteure diversifizieren sich in diesem Feld besonders dynamisch. Staatliche Institutionen und NGOs spielen zunehmend eine offensive Rolle in der weltweiten Armutsbekämpfung und haben sich massiv dem Umwelt-und Naturschutz zugewandt. Auch beim gerechten Zugang zu sicheren Gesundheitsleistungen werden Chinas erfolgreiche Bemühungen anerkannt. China nimmt seine Qualitätssicherung im Bereich medizinischer Produkte zunehmend selbst in die Hand und erweitert dadurch die Reichweite seines hoheitlichen Handelns, z.B. durch behördliches Auditing deutscher Firmen in Deutschland. 
In vielen Bereichen der SDGs ist China zu einem Treiber und unverzichtbaren Partner geworden. 
China fordert Europa in der Globalen Gesundheit heraus. Diese Herausforderung bietet Chancen für den Ausbau der Zusammenarbeit für Globale Gesundheit in gemeinsamer Verantwortung. Zugleich bestehen für Deutschland Risiken, die eigene Marktposition, Gestaltungskompetenz und Deutungshoheit in der Strategie zur Globalen Gesundheit zu verlieren, falls keine überzeugende Position und Kooperations-bereitschaft zur Annäherung an übergreifende Probleme und neuartige Aufgaben gefunden wird, die ein grenz- und kulturüberschreitend orchestriertes Handeln verlangen. Auch China erwartet von Deutschland, dass es sich stärker einbringt. 
China stellt sich offen dem Wettbewerb und seiner globalen Verantwortung.
Die Volksrepublik China ist eine unübersehbare Macht, schon aufgrund ihrer inneren Diversität, Größe und Entwicklungsdynamik. Ihre internationale Verantwortung wird in globalen politischen Initiativen sichtbar, wie in der „neuen Seidenstraße“ / One Belt One Road (OBOR). Die seit 1979 laufende Öffnung und nachholende Modernisierung wächst sich zu einer immer selbstbewusster vorgetragenen Eigenständigkeit aus. Die stetig wachsende Zahl chinesischer Patente (allein 2015 haben chinesische Firmen 855 neue pharmazeutische Patente angemeldet – gegenüber 2007 eine Steigerung um 151,4 %) und die im großen Stil durchgeführten Übernahmen strategischer Betriebe im Ausland sind Ausdruck dieses Wandels, ebenso wie der gigantische Ausbau harter Infrastrukturen in strategischen Regionen Afrikas. China hat seine Rohstoffbasis gesichert. Im laufenden 13. Fünfjahresplan erhalten Gesundheit und Innovation Priorität – entsprechend zuverlässig und ambitioniert werden Ressourcen in diese Richtung gelenkt. 
Dadurch hat sich China zu einem Faktor gewandelt, für den gilt: Chinas Innenpolitik ist weiterhin immer zugleich auch Weltpolitik, und: mit China ist als einem souveränen Partner und Wettbewerber jenseits überkommener, regional beschränkter Interessen-Sphäre zu rechnen…
Die gesamte Übersicht zu China können Sie hier lesen und herunterladen.